Ein lebenswertes Leben

Wow, Ende März und ich schreibe erst jetzt über die Grippe-Welle in Deutschland: Was ist da los? Wie mein Kollege mir stolz auf Arbeit mitteilte – Deutschland macht wirtschaftliche Einbußen wegen ein paar Mikroorganismen, die offenbar ganze Landstriche zum Erliegen bringen. Auch meine Frau Mama hat das zutreffend zusammen gefasst: Jetzt hat es auch Berlin erwischt. I see. Ganz ohne Nachrichten und Apothekenumschau.

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I bims mir gleich die Hornhaut weg

Wer schreibt, der bleibt.

Denkste.

Wer schreibt, macht sich n Haufen Gedanken über Wörter, Sprache, Metapher und all den Schnickschnack. Und Sprache befindet sich ja im Wandel. Ständig dieser ganze Denglish-Shit und unsere arme deutsche Grammatik hat manchmal ganz schön Problems beim Surviven. Da lohnt es sich echt mal, n Blick auf den “Anglizismus des Jahres 2017” zu werfen:

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Monteur de la Fress. Eine Fortsetzung

Nachdem ich seit zwei Wochen meine Freunde, Familie, Band, Mitbewohnerinnen und Arbeitskollegen mit meinem bevorstehenden Bohr-Zahnarzttermin nerve, als stünde mir eine Beinamputation bevor, ist heute mal wieder Tag X.

Ich bin natürlich viel zu früh wach, frühstücke viel zu verdauungsanregend und bin eine Dreiviertelstunde vor meinem Termin auf dem Weg, für den ich normalerweise 10 Minuten brauche. Aber das hat auch sein Gutes: Ich habe noch Zeit für den Fall der Fälle eine Tomatensuppe zu kaufen – wer weiß, wann ich wieder feste Nahrung zu mir nehmen kann!

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Monteur de la Fress

Seit meine neue Mitbewohnerin eingezogen ist und ihre ersten freien Nachmittage im Uniklinikum für Zahntechnik verbracht hat, verspüre ich den seltsamen Drang zum Zahnarzt zu gehen und manchmal zwickt es auch irgendwo im Mundraum. Ein Hypochonder muss also tun, was ein Hypochonder tun muss: Zum Arzt gehen. In meinem Alter empfiehlt sich außerdem eine Beißschiene für die Nacht und vielleicht führt diese Maßnahme auch dazu, dass ich und mein Kiefer uns morgens nicht mehr fühlen, als wäre ein Traktor über unser Gesicht gerollt. Außerdem ist mal wieder eine Durchsicht nötig. Nach 7 Jahren Berlin habe ich mich noch nicht dazu durchringen können, mir einen anständigen Zahnarzt im Kiez zu suchen und heute ist Tag X.

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Paderbornisiert

Zum Glück gibt es so viele Sachen, die man in seinem Leben das erste Mal machen kann. Zum Beispiel auf Dienstreise nach Paderborn fahren. Ich war bisher weder auf Dienstreise, noch habe ich Paderborn besucht. Kann man mal machen.

Also ganz typisch erstmal aus Angst vorm Zugverpassen eine halbe Stunde zu früh am Hauptbahnhof in Berlin eintrudeln. Aber wenigstens habe ich bis dahin die Menschenmassen mit gechillter Musik auf den Ohren überstanden. Als ich am Bahnhof noch ein Päuschen in der Morgensonne einlege, fällt mir viel zu spät auf, dass neben mir eine Frau hockt und zitternd raucht. Unangenehmer Anblick, aber ich traue mich nicht sie anzusprechen. So ist das im anonymen Berlin. Bevor ich mir den Kopf weiter über Parkinson und Panikattacken zerbreche, verziehe ich mich zum Gleis und stehe dort weiter rum.

Der Zug Richtung Ruhrpott hat natürlich Verspätung. Alle meckern, ich hör Musik. Von fünf Minuten lass ich mir jetzt nicht die Laune verderben. Die Geräuschkulisse und die vielen Leute sind schon anstrengend genug. Dass hier alle Fresse ziehen, daran hab ich mich längst gewöhnt. Wir warten schließlich auf die Deutsche Bahn und nicht auf einen Lottogewinn.

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Epilog. Über Reisen, Krebs und Arbeit

Valun, Cres, Krk, Olib, Zadar – alles nur noch Orte, die man sich jetzt auf Fotos ansehen kann. Die Erinnerung bleibt, aber das Gefühl scheint konserviert zu sein in dem Zeitkontinuum, in dem wir uns befanden. Ich sitze auf dem Klo und scrolle Facebook-Profile von ehemaligen Klassenkameraden durch. Es gab eine Einladung zum Klassentreffen – zehn Jahre ist der ganze Quatsch jetzt her. Auf den Profilbildern erkenne ich selten jemanden von früher. Die meisten stecken in fetten Brautkleidern oder haben gleich die zerknautschten Babygesichter vom Nachwuchs zum Aushängeschild ihres Profils gemacht. Ich schließe die Teilnehmerliste mit den ganzen Namen, die ich nicht mehr kenne und drücke die Klospülung. Ich werde nicht dahin gehen. Eine einfache Alltagsentscheidung.

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9. August 2017, zwischen Wien, Prag und Berlin

Obwohl wir am Abend so ziemlich die letzten waren, die ins Budapester Hostel-Zimmer gekommen sind, bin ich die erste, die aufwacht. Es ist angenehm kühl und ich sehe im Doppelstockbett gegenüber R.s Gliedmaßen über den Bettrand baumeln. Ausnahmsweise ist R. mal nicht vor mir wach. Ich schlüpfe in meine Flipflops und schwimme zur Dusche über den See, der sich im Badezimmer gebildet hat. Vermutlich ist die Toilette nur so sauber, weil keiner Lust auf nasse Füße hat. Da lobe ich mir meine Boots – die haben das Ganze auch gestern Nacht unbeschadet überstanden.

Nach gründlicher Körperkontrolle auf Parasiten, Sonnenbrand, Fleischwunden und sonstigen Auffälligkeiten, bin ich bereit fürs Frühstück in der Party-Zone vom Titty Twister. R. ist inzwischen auch auf und wir pilgern ans „Buffet“. Es gibt etwas Toast, einen Toaster, Cornflakes, Kaffee und die letzte Milchpackung reißen wir uns unter den Nagel. Alles sehr dürftig, aber bei dem Preis unschlagbar.

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7. August 2017, Budapest

Am nächsten Morgen trödeln wir. Die Amis, die gestern angekommen sind, sitzen in der Küche und wir empfehlen uns gegenseitig Reiseziele. Ihr nächster Stopp wird Berlin sein und natürlich laden wir sie ein, in unserem Kiez Halt zu machen, um die undergroundigste Kneipe im Wedding kennen zu lernen. Davor wollen sie aber noch mit einem Kanu die Inseln erkunden. Das ist auch hart. Aber wir sind härter. Vor allem als wir in der Mittagshitze aufbrechen und ich nach 500 Metern voll die Krise bekomme, weil ich so schwitze und wir nicht so schnell eine geeignete Stelle zum Trampen finden. Wir haben uns für Slowenien entschieden, Ljubljana. Da soll es kühler sein und auch einen Besuch wert – Empfehlung von J. aus Berlin, die heute auch aufgebrochen ist – allerdings nach Split – in die Vorhölle der Hitzewelle – viel Spaß.

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