Schachtmatt

Es gibt keinen typischen Morgen
an der Friedrichstraße
und doch rotiert immer gleich
der Sog einer stinkenden Stadt
deren Menschen sklavenartig
durch die Schächte flackern
getrieben und sich treibend
im Anzug, mit Kaffee, ohne Geld, im Delirium
getrennt
und doch alles eine Soße.

Es gibt keinen typischen Morgen
an der Friedrichstraße
wo mich die Seelen unberührt vorbeiziehen lassen
an mir zerren und ziehen
Hektik als Zeitgenosse der Moderne
Displays erhellen finstere Gesichter
künstliches Licht zwingt sich in die Augen
es riecht wie immer
nach zerlebten Nächten und Morgentoilette
dazwischen manchmal
ein nasser Hund.

Es gibt keinen typischen Morgen
an der Friedrichstraße
denn da
wo der Schacht Verlierer und Gewinner
wie ein fortlaufendes Band
einsaugt
spukt er dich aus
mit verbitterter Mine
die Augen schal
hinter längst ergrauten Haarsträhnen
und das Gesicht zerfurcht
um Jahre gealterte Künstlerexistenz
die du immer noch bist
mit schwebendem Gang
denn von dieser Welt
warst du noch nie.

Für Jan
10/18

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