Mendexa, 27. – 28. Juli 2018

Beim Aufstieg haben wir tatsächlich wieder Glück und R. hält ein Auto an, in dem der Barkeeper vom Campingplatz sitzt, wie wir später am Abend in selbiger Kneipe feststellen. Karma ist uns dicht auf den Fersen… 

Vom Kochen angefixt stürzen wir uns in die nächste kulinarische Köstlichkeit: Spagetti mit Tomatensoße, viel Zwiebel, scharfe Salamie (die uns schon eine Woche begleitet, in R.s Worten “eine feste Wurst”) und jede Menge Knoblauch. Dabei dieser unglaubliche Blick aufs Meer. Das Nudelwasser-Abkippen übernehme ich diesmal und am Ende gibt es dann sogar richtig dick zu essen.

Später checken wir den Campingplatz aus, begutachten den Pool und sitzen bei einsetzendem Regen unter dem Kneipenvordach. Dass unsere Zelte wasserdicht sind, haben wir ja schon mitbekommen, also verkrümeln wir uns später in unser “Wohnzimmer”, eine einfach gespannte Plane in unserer Parzelle. R. bekommt zwar permanent von der Seite Wasser ins Gesicht, versichert aber durchgehend, dass es einfach herrlich ist. Also sitzen wir da, freuen uns über die Einfachheit unseres Daseins und die weggetrampten Probleme und Gedanken an Arbeit, Zukunft und Gesellschaft. Dann krabbelt jeder in sein Zelt und lauscht dem Regen. Ich kann leider nicht gut einschlafen. Meine Luftmatratze rutscht zwischen Zeltboden und Schlafsack hin und her und ich wache zweimal schön neben meinem “Bett” und auf dem blanken Zeltboden auf. Was eine kleine Neigung im Boden so ausmachen kann. In den frühen Morgenstunden penne ich dann nochmal richtig weg und als ich aufstehe ist es bereits nach zehn. R. ist seit fünf auf den Beinen, war duschen, Zeltplatz auschecken und hat weiß ich was alles schon angestellt. Wir frühstücken endlich die heißersehnten Rühreier und meine Kreativität geht mit dem geklauten Päckchen Senf aus der Kneipe am Vorabend völlig durch: Ab in den Gurkensalat damit (immer noch die Gurke vom Tankwart in Freiburg).

Dann sind wir wieder auf dem Abstieg ans Meer. Mein Fuß ist zwar nicht mehr geschwollen und ich mache mir weitaus weniger Sorgen als sonst, trotzdem ist es anstrengend. Also muss R. wieder ran und organisiert uns diesmal einen weiteren Lift bei einem glatzköpfigen Typen. Wir steigen ein und als er anfährt dröhnt inbrünstiger spanischer Ska-Punk aus dem Radio: “Viva la Punk”. Wir treffen ihn später am Abend auf dem Campingplatz erneut – in einem A.C.A.B.-T-Shirt als Kinderbetreuung.

Am Strand angekommen ist R. nun kaum noch zu halten. Wir ziehen zum Surf-Stand und R. leiht sich ein Board aus – mindestens doppelt so groß wie er selbst. Und dann beginnt ein spektakulärer und amüsanter Teil: Ich hocke schön im warmen Sand und starre bedeutungsvoll R. beim Versuch zu surfen zu. Anfangs sehe ich ihn noch cool davon düsen, aber sobald er in den Wellen ist, erkenne ich ihn größtenteils nur an den langen Haaren und seiner Körperhaltung. Wellen gibt es ohne Ende, aber weder die Kids von der Surfschule noch R. “reiten” diese wirklich. Trotzdem ein unglaublich schöner Anblick. Nach etwa einer halben Stunde kommt R. mit roter Brust zurück aus dem Wasser. Ohne Surflehrer scheint das Ganze ein etwas anderes Unterfangen zu sein als auf dem Skateboard.

Ich finde es gut, dass er es wenigstens probiert hat und zumindest die Pose mit dem Board unter dem Arm den Wellen entgegen zu gehen, ist cool und sorgt für ein paar Schnappschüsse.

Das Wetter ist etwas wolkenverhangen heute und da ich nicht schwitze, gehe ich auch nicht schwimmen. Wir bummeln noch ein wenig durch die Gassen von Lekeitio (unser Campingplatz befindet sich übrigens doch im nächsten Dorf, in Mandexa – aber das Schild registriere ich erst zu spät). Auch einen Leuchtturm am nördlichsten Punkt von Lekeitio schauen wir uns an – natürlich in der Siesta. Zwar ist niemand groß auf der Straße, dafür schwitzen wir jetzt umso mehr. Ich bin immer wieder erstaunt wie knallhart die Siesta durchgezogen wird. Kaum ein Laut geht durch die Stadt, alle verkrümeln sich irgendwohin und machen Mittagsschlaf – und genau der fehlt R. heute anscheinend auch. Ich bin mir sicher, er würde  sich in diesem Land total schnell einleben. Sein Spanisch übt er jedenfalls bei jeder Gelegenheit – wenn auch manchmal mit etwas übertriebenem spanischen Akzent.

Als es nach unserer Wanderung dann zu regnen beginnt, setzen wir uns in eine Art Rockcafe und essen dort Patata Bravas con Queso und diesmal nur eine Pizza (doch schon wieder Pizza). Der grandiose Tagesabschluss kommt aber noch: Wir kaufen Obst in einem kleinen Laden und laufen dann tatsächlich den ganzen Weg bis zum Campingplatz bergauf und: Ich sterbe nicht dabei. Dafür springen wir auf die letzten zehn Minuten vor Schließzeit in den Pool auf der Camping-Anlage, mampfen Kekse und sitzen in unserem “Wohnzimmer”. Zur Nacht kann ich nicht viel sagen, denn ich schlafe traum- und zwischenfalllos (diesmal mit Klamotten als Antirutschvorrichtung unter meiner Luftmatratze).

Tags darauf gibt es wieder Rührei, diesmal dazu noch Baked Beans und eine weitere Portion Gurkensalat. Während wir frühstücken, schleudert unsere wenige Wäsche bereits in der Waschmaschine und unsere (hauptsächlich französischen) Nachbarn bauen fast alle ab. Als wir unsere Wäsche im “Garten” aufhängen, sind wir fast allein auf unserem Areal des Campingplatzes – mit Panorama Blick. 

Den Abstieg packen wir auch wieder ohne Lift und am Strand angekommen will R. eigentlich in einer Surfschule mitmachen – die findet heute allerdings nicht statt und ich werde das Gefühl nicht los, dass R. das nach dem gestrigen Versuch des Wellenreitens ganz gut in den Kram passt.

Da gerade Ebbe ist, beschließen wir uns nun doch mal die Vogel-Insel anzusehen und laufen im zurückgebliebenen Sand über die breite Fläche zur Insel. Nach barfüßigem und schweißtreibenden Anstieg (habe mich inzwischen dran gewöhnt, auch mit schmerzendem Fuß) genießen wir die Aussicht dieses kleinen von Möwen begehrten Hotspots. Die Vegetation ist großartig. Überall blühende Büsche, viele Eidechsen und zugewucherte saftige Flächen. Dazu ein paar kleine Höhlen und viele Nistplätze.

Kaum wollen wir den Abstieg angehen, treffen zwei Rettungsschwimmer auf der Insel ein, um allen Bescheid zu geben, dass die Flut nun einsetzt. Wer trocken wieder zum Strand gelangen möchte, muss sich jetzt auf den Weg machen, sonst bleibt nur schwimmen. Also waten wir unten angekommen durch das knietiefe Wasser und suchen uns einen Platz am Strand.

Die Wellen sind heute ziemlich hoch, bestimmt zwei Meter, und sie rauschen beeindruckend an den Strand und zerschellen an den großen Felsen der Bergketten. Mir ist warm von der ganzen Wanderei und ich latsche nach Abkühlung lechzend zum Wasser. Dort geht es ganz schön ab. Die Wellen sehen von Nahem noch gigantischer aus. Ich plantsche also in Kniehöhe etwas herum und ja wie das nun manchmal so ist – ich muss pinkeln. Gerade als ich das Meer mit meinem Urin beglücke und mir freudig die Berglandschaft Richtung Strand ansehe, bricht so ein Zweimeter-Ding genau über mir zusammen und ich werde darunter begraben. Nicht nur, dass es mir sämtliche Nebenhöhlen auf einmal mit einem Wasserdruckstrahl unsäglicher Härte durchspült – auch meine Bikinihose wird beinahe in die unendlichen Tiefen gerissen. Und das reicht mir erstmal. Ich versuche gegen den Sog der Wellen zurück zum Strand zu kommen und paddle schnaufend nach vorn, wo sich alle anderen Badenden noch fröhlich vom Wellengang durchwackeln lassen.

Danach stürzt sich R. in die Fluten und ich komme zum entspannten Teil: Wellenschauen. Die Flut bahnt sich ihren Weg und kommt immer näher. R. fällt in seinen nachmittäglichen Siesta-Schlaf und ich überleg schon, ob ich einfach warte, bis ihn das nahende Wasser selbst am Fuß kitzelt. Doch das dauert. Und die Wellen werden immer eindrucksvoller. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit wecke ich ihn einfach, weil er auch etwas von dem Spektakel haben soll. Allerdings war das keine so gute Idee, manchmal dauert es einfach ewig bis er in Schwung kommt und “aufgewacht” ist.

Also laufe ich wenig später mit einem noch halb schlafenden R. eisschleckend durch die Gassen auf der Suche nach einem Tabakladen. Dann fällt es uns auf einmal auf: Es ist Sonntag und alles hat geschlossen. Unser Traum von Spagetti Carbonara fällt wohl somit auch aus. Aber nein: Der kleine Obstladen von gestern hat geöffnet und sogar “extra” eine Art Sahne mit einem Carbonara-Bild vorn drauf – na wenn das kein Glück ist. Da fällt sogar der Aufstieg nicht mehr so schwer. Heiß genug für den Pool ist es dennoch und dann wird erstmal gekocht und gechillt. Leben am Limit.     

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