5. und 6. August 2017, Zadar

Noch bevor wir uns endlich gegen 18:00 Uhr in diese unsägliche Hitze aufmachen, buchen wir noch eine Nacht dran. Beim Bezahlen nimmt die Hostel-Mutti zu meiner Bankkarte tatsächlich R.s Personalausweis für die Identifizierung. Der alte Trick klappt immer noch. Mir fehlt eigentlich nur noch diese Sonnenbrille in Cool, dann könnte ich in R.s Namen jede Menge Blödsinn anstellen.

Entspannt mit der zweiten Übernachtung, so können wir den nächsten Tag ausschlafen und noch in diesem tollen Super-Hostel abchillen, während draußen alles zerfließt. Wir lernen noch ein paar Leute im Hostel kennen, zum Beispiel J. aus Berlin, M. aus Italien und A. aus Spanien. Kontakte knüpfen ist echt easy, alle sind irgendwie auf Durchreise. Man fragt sich nicht zuerst nach dem Beruf und Alter, sondern woher man gerade kommt und wohin es gehen soll. Mit unserer Art uns fortzubewegen – nämlich zu trampen – sind wir relativ schnell die härtesten und coolsten Traveller im ganzen Hostel.

Es geht los, auf in die Sauna. Die paar 100 Meter bis Kaufland haut es uns fast aus den Latschen, es fühlt sich an als würde man heißen Dampf einatmen statt Sauerstoff. Bewaffnet mit Eis, Würstchen und Eiskaffee geht’s ins Old-Town von Zadar. Beim Zebrastreifen muss man hier echt offensiv sein, sonst hält keiner an – außer den deutschen Touristen natürlich. Ordnung muss sein.

Als wir durch die Tore der Altstadt schreiten und auf den abgelaufenen Steinen immer wieder in den Flipflops rutschen, können wir uns wegen der vielen Touristen nur im Schneckentempo vorwärts bewegen. Überhaupt ist die City auf einmal ein harter Kontrast zu den ruhigen Inseln. An der Meeresorgel gibt es einen regelrechten Massenauflauf. Von den Tönen, die durch Wellengang in den Löchern im Boden erzeugt werden, hört man durch das Gebrabbel der vielen Menschen nicht allzu viel. Wir suchen einen Platz im Schatten neben einer alten Frau auf einer Bank. Sie bietet uns Brot zu unseren mit Käse gefüllten Würstchen an. Wir lehnen dankend ab. Von Würstchen ohne Brot bekommt man bei den Temperaturen einen Virus, sagt sie. Mir schwillt augenblicklich der Hals zu und ich würge das letzte Würstchen runter.

Als die riesige, blutige Sonne ins Meer eintaucht, applaudieren hunderte Menschen an der Promenadenspitze. Es ist immer noch klebrig und warm, wir holen uns auf dem Rückweg Bier an der Tanke und sitzen schließlich noch vor Kaufland in den angeschlossenen Stühlen eines Cafés. Dann geht es bei 22° C ins klimatisierte Hostel-Zimmer. Leben am Limit.

Den nächsten Tag in Zadar bleiben wir sogar bis 20:00 Uhr im Hostel. Die Hitzewelle erreicht ihren Höhepunkt und wir hängen im Living Room ab. R. schaut völlig gebannt eine kroatische Kochsendung bei der man nebenbei durch die eingeblendeten Rezepte super kroatische Vokabeln lernen kann. Echt geiler Kram, den sie da zubereiten. Und angerichtet wie im DDR-Kochbuch. Alles was gebacken wird, bereitet außerdem immer eine Frau in Schürze zu. Traditionsbewusst anscheinend.

Im Luxus von fließendem Wasser ziehen wir mal wieder unsere paar Kleidungsstücke durch die Seife. Ordnung muss sein. Bei R. hat sich das Ganze seit dem Wäschebeutelverlust in Valun allerdings stark auf sehr wenige Kleidungsstücke reduziert. Beim Wäsche-Aufhängen auf dem kleinen Balkon verbrennen wir uns fast die Füße auf dem heißen Asphalt, meine Schlüpper sind nach 15 Minuten Sonne trocken. Die Luft zieht das Wasser aus allen Poren. Wir sind die einzigen – und natürlich die härtesten – im Hostel. Die Rezeptionistin legt uns alle Schlüssel hin und gibt uns ihre private Handynummer. Da kommen noch Leute an irgendwann, sagt sie und geht nochmal in die Stadt. Der Lo-Fi-Sender, den wir auf YouTube am Vormittag angemacht haben, läuft nun seit 8 Stunden. Wir haben hier alles im Griff.

Abends treffen wir uns mit J. aus Berlin, die wir am Hostel kennengelernt haben, an der Meeresorgel – aber erst nach Sonnenuntergang – und trotzdem: Es ist sauheiß. Aber Vollmond.

Auf dem Rückweg wollen wir noch mal zu Kaufland, hat ja bis 0:00 Uhr geöffnet – außer heute, es ist nämlich Nationalfeiertag, da schließt man schon um 23:00 Uhr. Klar, wir Späti-Verwöhnten spüren uns mit Durchfragen zu den letzten Shops durch, an denen man noch Zigaretten und Bier kaufen kann. Und dann ist der Tag auch schon gelaufen. Morgen wollen wir weiter – haben aber schon tierischen Schiss vor der Hitze. Ob 8:00 Uhr oder 14:00 Uhr – das nimmt sich nichts, die Dehydration ist einem immer auf den Fersen. Leben am Limit.

C.

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