1. August 2017, Mali Lošinj

Wie erwartet, sind wir vom Rumhängen total fertig. Wir schaffen es gerade so noch auf einen Burger am Hafen, dann schickt uns die Nachmittagshitze zurück in die Unterkunft, wo wir noch mal voll wegpennen. Und auf einmal ist es dann schon Abend und ich überlege tatsächlich, einfach weiter in der Unterkunft zu chillen, meine Beine sind unglaublich schwer und kribbeln – beunruhigendes Gefühl. Doch ich ringe mich dann durch und folge R. in die Stadt die Stufen runter.

Bierchen an der Strandpromenade kommt dann doch irgendwie richtig gut und wir verzetteln uns wieder in diverse Therapiegespräche. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Reisen an sich erst einmal jeden Therapeuten ersetzen kann? Durch das permanente In-Bewegung-Bleiben nimmt man sich selbst anders wahr, der Fokus geht nach außen statt nach innen. Grundbedürfnisses stehen im Vordergrund: Essen, Schlafen, Waschen – das minimiert das Problemempfinden für die sonst alltägliche Umwelt unwahrscheinlich. Man achtet mehr auf die Beschaffenheit des Bodens. Ist er steinig, samtig, eben, liegen da Dornen, Seeigel oder klebt es einfach nur? Zurückgeholt aus dieser Achtsamkeit gegenüber dem Leben wird man eigentlich hauptsächlich von Menschen. So geht es mir dann auch als wir vor Lidl im Schatten sitzen und einen jungen Typen aus Potsdam treffen. Wird chillen da rum, weil wir doch schon um zehn und nicht wie angenommen um zwölf aus der Unterkunft raus müssen. Als uns der Kleine erzählt, dass der Apotheker neben ihm auf dem Campingplatz gesagt hat, dass Seeigelstacheln auch tödlich sein KÖNNEN, geht’s mir erst mal kurz scheiße. Immerhin sind die Dinger immer noch drin – ok, bei mir sind es genau zwei – R. hat die ganze Ferse voll. Ich bin eine Memme… Na gut, das Schreiben hilft auf jeden Fall und das Reisen auch.

Wir holen Tickets für die Fähre und verziehen uns in ein klimatisiertes Internetcafé mit tollpatschigem aber sympathischen Personal. In der Mittagshitze werden hier scheinbar Phantasie-Cocktails gemischt. Die Gäste werden dann beim Trinken per Außen-Kamera beobachtet. Auf jeden Fall scheinen alle tierisch Spaß zu haben.

In ein paar Stunden geht’s auf die Fähre und dann betreten wir heute Nacht wieder das Festland. Leben am Limit.

C.

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