31. Juli 2017, Insel Lošinj, Mali Lošinj

Die dritte und letzte Nacht in Valun wird nach R.’s Horror-Geschichten nun für mich zum Nervenkitzel. Als wir uns in unser Lager zurückziehen, pennt R. sofort in seiner Hängematte ein. Für mich geht die abenteuerliche Reise ins Reich der undefinierbaren Geräusche los. Es ist Samstag Nacht und am Strand von Valun finden sich die Party-People ein. Neben gröhlenden Bayern, Wodka trinkenden Russen und singenden Italienern scheinen auch die Tiere des Waldes ihre ganz persönliche Samstag-Nacht zu zelebrieren. Das Zirpen der Zikaden frisst sich in die Nacht, überall knacken Äste und eine Maus – und hoffentlich nichts Größeres – macht sich an unserem Fressbeutel zu schaffen. Manchmal höre ich es sogar leise schmatzen. Dazu kommt das Taschenlampenfunkeln vom Strand. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was mich mehr ängstigt: Die Vorstellung von irgendwelchen Betrunkenen hier im Wald entdeckt oder von einem der wilden Tiere zerfetzt zu werden. Auf jeden Fall hält mich beides bis zum Morgengrauen wach und ich rolle unruhig in meiner Hängematte hin und her während R. friedlich vor sich hin blubbert. Als es hell ist, schlafe ich zumindest noch ein paar Stunden.

Der neue Tag ist bedeckt und es nieselt ein bisschen. Trotzdem sind wir allein vom Weg bis zum Campingplatz wieder total nass geschwitzt. Wie schon am Abend zuvor treffen wir J. aus Österreich in dem kleinen Konsum. Die Atmosphäre wird hier mit jeder Stunde dörflicher.

Vor unserer Weiterfahrt wäscht R. noch seine dreckige Unterwäsche am Campingplatz unter der Dusche. Eine brillante Idee: So bleibt sie im Beutel muffig und wiegt jetzt für die weitere Reise doppelt so viel. Das Problem erübrigt sich allerdings ganz von alleine. R. lässt den Wäschebeutel aus Versehen an dem verlassenen Rezeptionshäuschen hängen, als wir unseren ersten Lift aus Valun raus bekommen. Die 300 Meter zu Fuß den steilen Berg hoch fühlen sich an wie 3 Stunden Fußmarsch durch die Wüste.

Nach etwa einer halben Stunde nimmt uns ein tschechischer Angler mit zur nächsten Hauptstraße. Dort finden wir gleich einen Seitenstreifen zum Weitertrampen. Das Wohnmobil, das dort steht, würde uns sogar mitnehmen, hat aber eine Panne und wartet auf den ADAC. Auf einer Insel. Mitten in Kroatien. Viel Spaß.

Wir beziehen Position und schon kurze Zeit später hält ein völlig überladener Kleinwagen mit einem österreichischen Pärchen. Die beiden scheinen wirklich Bock auf uns zu haben. Wir quetschen uns auf die Rückbank, die Rucksäcke auf dem Schoß, und tuckern mit 80 km/h von Cres auf die nächste Insel über eine kleine Brücke: Lošinj.

Unterwegs schwärmen wir von Valun und die Österreicher stellen fest, dass das der Ort ist, den sie seit 15 Jahren suchen. Sie fahren uns trotzdem nach Mali Lošinj und drehen dann um.

Mitten in der Siesta schleppen wir uns durch die nächste Hafenstadt. Die kleinen Gassen wirken vielversprechend und nach drei Nächten Natur und Hängematte soll es heute dann mal wieder ein Hostel sein. Wenn es hier so etwas gibt. Die Hotels starten bei 100 Euro aufwärts pro Nacht. In einem kleinen Café lassen wir unsere verschwitzten Körper ausruhen, schlürfen Milchshake und checken die Lage. Auf die Frage nach einer billigen Unterkunft ruft der Chef vom Café gleich eine Freundin an, aber die ist schon belegt.

Ich stapfe kurzerhand zur Touristen-Information ein paar Meter weiter – damit fährt man in Kroatien echt gut. Die Hafenpromenade ist auch hier ein Traum und in der Nachmittagshitze befindet sich kaum jemand auf der Straße. Die ganze Bucht steht voller Yachten und Segelboote und am Ufer stehen riesige Palmen.

Man merkt allerdings deutlich, dass wir immer weiter Richtung Süden kommen. Die Luftfeuchtigkeit liegt jetzt bei 95% und die Sonne brennt erbarmungslos. Kurze Zeit später hecheln wir über die kleinen Treppen bergauf zu unserer Unterkunft bei einer lieben kroatischen Omi. Das richtige Haus finden wir zwar nur mithilfe von Einheimischen, aber wir haben es endlich geschafft. Unser Zimmer kostet nicht mehr als ein Hostel, verfügt aber über ein eigenes Bad, einen Kühlschrank und eine Klimaanlage. Strom und fließend Wasser! Nach einer Woche kämme ich mir das erste Mal wieder die Haare.

Mit der Gastmutti verständigen wir uns mit Händen und Füßen und ein paar gelernten Italienisch-Brocken. Keine Ahnung, was sie denkt, woher wir kommen – am nächsten Tag hat sie sich unsere Registrierungsdaten angeschaut und scheißt uns auf Deutsch zusammen, weil wir die ganze Nacht die Klimaanlage laufen gelassen haben.

Nach Fruchtwasser und kalter Dusche waschen wir unsere übrige Wäsche noch einmal richtig. Es tropft vom Balkongeländer auf die darunter grillenden Gäste. 2 Minuten später steht ein Wäschetrockner da. Wir fühlen uns wohl. Beim abendlichen Durch-die-Stadt-Stromern mit leichtem Gepäck, zeigt sich Mali Lošinj schon als sehr touristisch. Irgendwie sprechen fast alle deutsch und es gibt haufenweise „landestypischen“ Schnickschnack an jeder Ecke. Schließlich gönnen wir uns eine Pizza an der Hafenpromenade und lassen den Abend mit Wein über den Dächern von Mali Lošinj ausklingen. Und weil es Rabatt für das Zimmer gibt, haben wir gleich zwei Nächte gebucht. Wir sind schließlich nicht auf der Flucht und wollen noch mal Schnorcheln.

Genau das machen wir auch am nächsten Tag nachdem wir uns über die Weiterfahrt per Schiff informiert haben. Die Autofähre für zwei Personen ist recht günstig. Bis Zadar auf dem Festland über die Inseln Premuda, Silba, Olib und Ist umgerechnet nicht mal zehn Euro pro Nase. Eine Option, die wir auf jeden Fall in Betracht ziehen. Dann geht’s aber erst einmal ans Meer.

Die Steinküste ist wenig belebt. In dem angrenzenden Kiefernwäldchen sind nur wenige Menschen und das Beste: Kaum jemand sagt auch nur ein Wort. Wir richten uns auf einer gefundenen Schaumstoffmatratze ein. Nach seinem Besuch bei den Delphinen pennt auch R. weg – so wie es sich für eine Siesta hier gehört. Ich werde mir gleich die Taucherbrille schnappen und mal nachsehen, was R. so von den Delphinen übrig gelassen hat und wie die Seeigel aussehen, bevor ihre Stacheln im Fuß stecken bleiben. Leben am Limit.

C.

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