29. Juli 2017, immernoch in Valun

Der Tag verläuft wie ein Standard-Urlaubstag aus dem Bilderbuch. Hauptsächlich machen wir das, was wir am besten können: Nichts. Und aufs Meer schauen. Und schlendern.

Das Salzwasser von der morgendlichen Schwimmrunde hängt uns in den Haaren, klebt auf der Haut und lässt sich aus den Augenbrauen rubbeln. Vor allem die Mittagszeit ist total heiß. Der Strand ist einigermaßen voll, aber eigentlich schlafen die meisten und obwohl es hauptsächlich deutsche Touris sind, verhalten sich alle relaxt und nerven nur wenig.

Wir stellen fest, dass wir eindeutig den besten Platz der ganzen Bucht haben. Schatten, direkter Strandzugang und ein Bett unter freiem Himmel. Das Schöne auch: Niemand denkt auch nur daran, sich den steinigen Weg hinter der Mauer nach oben zu bewegen und zu schauen, was wir da in den Wäldern treiben. Keine Cops. Keine Strandkontrollen. Kein Stress. Und die Touris sind viel zu reich, um sich für unser Vagabundenlager zu interessieren.

Unser Lager können wir getrost unbeaufsichtigt zurücklassen und uns ohne das schwere Gepäck in der kleinen Küstenstadt bewegen. Wir machen uns auf zu den Campingplatz-Duschen, um das Salz abzuspülen. Man kennt uns hier nun schon – höchstwahrscheinlich als die Freaks aus dem Wald. R. hat eine John-Lennon-Brille auf und bewegt sich seitdem nur noch in Cool durch die Straßen.

Am Campingplatz wasche ich gleich noch ein paar Klamotten, die ich später im Wald zum Trocknen aufhänge – es wird langsam heimisch in unserer Waldniesche. Als wir vom Einkaufen zurück kommen sage ich: „Lass uns nach Hause gehen, was essen.“ Vom Weg aus sehen wir eine Gruppe in den Wellen schnorcheln und dann hält R. nichts mehr: Eine Taucherbrille und ein Schnorchel müssen ran – dann wird er seiner Bestimmung folgen und mit den Delphinen schwimmen. Und das tut R. dann auch, während ich einfach in die Ferne schaue und versuche an Nichts zu denken.

Gegen sieben Uhr leert sich der Strand, alle gehen duschen, essen oder was auch immer. Wir bleiben auf der Mauer hocken und bereiten uns aufs Kochen vor. Heute: Nudeln und Tomaten-Zucchini-Gedöhns. R. schüttet beim Abgießen des Nudelwassers die Hälfte der Nudeln auf die Steine. Wir gabeln sie trotzdem wieder in die Pfanne. Dreck reinigt den Magen.

Später kommen die Österreicher J. und S.noch mal an „unseren“ Strand geschlendert, um den Gaskocher zu benutzen. Zu viert sitzen wir an der leeren Bucht und bewundern das pink-lilafarbene Licht zwischen den Bergen und dem Meer. Nebenbei tauschen wir unsere peinlichsten Geschichten aus und versuchen herauszufinden, wer am meisten punktet. Gar nicht so einfach – wir nehmen uns in dieser Hinsicht alle nicht viel. Mit der Seeigel-Geschichte liegen wir allerdings dann doch etwas vorn.

Die Nachtruhe wird heute früh eingeleitet, dieses Rumhängen macht einfach verdammt müde. Wir verschwinden in die Hängematten.

Irgendwann mitten in der Nacht wache ich auf, weil irgendetwas direkt unter meiner Hängematte lang raschelt. R. sitzt anscheinend schon eine Weile mit angehaltenen Atem in seiner Matte – auf jeden Fall ist er wach und es ist nun doch gruselig in diesem Wald voller Geräusche – vor allem, wenn man nicht weiß, was es ist. Ich traue mich zum Pinkeln raus und leuchte mit meiner kleinen Taschenlampe in den Wald – sehe aber nichts. Schließlich drehe ich mich in der Hängematte um, höre es zwar immer noch rascheln, träume aber, dass der ganze Wald voller Bambi-Rehkitze ist. Für R. spielen sich anscheinend ganz andere Horror-Phantasien ab.

Als die Sonne aufgeht, werde ich wach und lasse den Blick übers Meer schweifen. Nach dem Frühstück ist erst einmal Schnorcheln angesagt. Auch für mich. Das macht bei so klarem Wasser natürlich doppelt Spaß. Ich schaue einem der zahlreichen Fische direkt in die Augen, an einer Steinkante geht es richtig, richtig weit runter ins schwarze, weite und unberechenbare Meer.

Die Siesta verbringen wir schreibend und lesend in einem kleinen Hafencafé, ich muss meine Akkus fürs Handy aufladen. Eine Nacht bleiben wir noch. Morgen ist Sonntag und dann steigt die Chance von Urlaubern zur nächsten großen Straße mitgenommen zu werden. Leben am Limit.

C.

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