27. Juli 2017, Insel Krk

Von Njivice geht es an der Landstraße weiter Richtung Süden. Ein junger Kroate hält an und fährt uns mit seinem Rennschlitten zum Ortseingangsschild der Stadt Krk. Als er uns abgesetzt hat, dreht er um, sein Ziel war offensichtlich ein anderes. Überhaupt trampt es sich in Kroatien deutlich leichter als in Dunkeldeutschland. Wir laufen nach Krk rein und landen genau da, wo wir eigentlich nicht landen wollten: Auf einer Touri-Meile direkt am Mittelmeer. Lauter grimmig schauende Deutsche – wir könnten auch auf Malle sein. R. versucht uns einen Schiff auf die nächste Insel zu organisieren. Cres oder Raab steht auf dem Schild. Ein Fischkutter wäre erste Sahne – aber wir sind hier im Touri-Gebiet. Niemand nimmt uns mit und so machen wir uns auf den Weg an der Küste entlang in ruhigere Gefilde. Durch Zufall geraten wir illegal auf einen Luxus-Campingplatz, wo die Nacht 300 € kostet – wie man uns später erzählt. Ein steiniger Weg über scharfkantige Felsblöcke liegt hinter uns und ich bin froh, dass R. endlich wieder seine Turnschuhe an hat und jetzt auf die Flipflops verzichtet. Nach dem Seeigel-Massaker wäre jetzt ein gebrochener Knöchel nicht so geil. Als sich der Campingplatz langsam lichtet und wir zu einem öffentlichen Strand kommen, zeigt sich Kroatien noch einmal von seiner ganz entspannten Seite.

In einem kleinen angrenzendem Wald steht eine kleine Getränkehütte, ein braun gebrannter Typ sitzt in seinem Liegestuhl davor und beäugt uns im Vorbeigehen. „Don’t make Fire.“, sagt er. Dann sehen wir Hängematten im Wald hängen und beschließen, ihn einfach mal zu fragen, ob wir uns auch irgendwo hinhängen können. Fragen kostet nichts. „Chose your place. Move in the morning. Don’t make fire and don’t touch the people.“ Kurz bevor es dunkel wird, schlagen wir unser Lager auf.

„Probier mal, du kannst mir vertrauen.“, sagt R. nachdem er meine Hängematte zwischen die Bäume gebaut hat. Ich lege mich hinein – für genau 3 Sekunden – dann löst sich der Knoten und ich bretter mit der linken Arschbacke genau auf einen spitzen Stein. Das war’s dann mit dem Bikini-Arsch – meine Arschbacke wird in den nächsten Tagen wahrscheinlich wie ein Regenbogen schillern. Einmal mehr wird mir klar: Es ist nur ein verdammter Körper. Er kann beschädigt werden, aber er hält auch verdammt viel aus. Wir dinnieren am Meer mit Wein, Brot und Käse und sehen in der Dunkelheit die Touri-Bucht von Njivice aufblitzen. Später setzen wir uns zu unserem neuen Freund Bruno ans Getränkehäuschen und lauschen seinen Geschichten.

Bruno hat sich nicht nur zur Wahl aufstellen lassen, sondern auch verrückte Partys mit 15 nackten Lesben hinter sich, die hier wahrscheinlich auf den Tischen getanzt haben. Irgendwann verziehen wir uns in die Hängematten, die nun endlich auf dieser Reise eingeweiht werden. Leben am Limit.

C.

One thought on “27. Juli 2017, Insel Krk”

  1. Wir haben es genossen über Ihre Abenteuer, welche Sie während Ihres Urlaubs in Kroatien erlebt haben, zu lesen. Bruno ist bestimmt eine sehr lustige Person und wir hätten gerne die Gelegenheit so jemanden auf unserer Reise kennenzulernen. 😀 Frei zu Reisen und zu genießen ist eine herrliche Sache – und deshalb Carpe Diem!

    Darian

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