26. Juli 2017, Njivice

In Rijeka schlendern wir am Hafen entlang. Man merkt, dass die Stadt auf Tourismus ausgelegt ist und wir flüchten immer wieder vor deutsch sprechenden Urlaubern. Schließlich versuchen wir es direkt per pedes Richtung Süden – Rijeka soll nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Aber nicht ohne einen ersten Sprung ins Meer – immerhin sind wir schon heute bis hierher gekommen. Etwas ziellos schlendern wir durch die Gegend, Blickrichtung Meer. Irgendwann finden wir einen Beton-Zugang zum Wasser. Der Weg führt durch ein großes eisernes Tor, eine alte Treppe hinunter und schließlich an einer Ruine vorbei, die natürlich nur auf unsere Besichtigung gewartet hat. Hier haben sicher schon viele Gestrandete Obdach gefunden.

Uns rinnt der Schweiß von der Stirn, es wird Zeit zum Schwimmen. Eine Erlösung ist der Sprung in die salzigen Wellen vor der Schiffscontainer-Kulisse allemal. Hier sind kaum Menschen und der steinige Hinterhof wirkt verlassen und verwildert. Als blutige Anfänger-Kroatien-Urlauber rammen wir uns natürlich direkt beim ersten Badegang Seeigel-Stachel in die Fußsohlen und werden kopfschüttelnd von einem kroatischen alten Mann beäugt – klar, wir sind ja auch die einzigen Trottel ohne Badelatschen. Bei meiner Google-Recherche nach der besten Methode die Dinger wieder loszuwerden, stoße ich natürlich auf diverse giftige Exemplare, die nicht nur schmerzhaft sind, sondern auch zu Atembeschwerden und schwerwiegenden Spätfolgen führen können. Ich hasse Doktor Google – meine Relaxtheit ist erstmal dahin.

Besser wird es erst, als R. einen Einheimischen fragt, ob wir jetzt einen Arzt aufsuchen müssen. Der Typ schüttelt lachend den Kopf und wir lassen die Stacheln, wo sie sind. Wird irgendwann schon rauseitern. Die kleine Pechsträhne hält erstmal an. Unsere Couch-Surfing-Accounts funktionieren aus irgendeinem Grund beide nicht und wir treffen die blöde Entscheidung ein Internetcafé etwa 1,7 km entfernt aufzusuchen. Mit unseren schweren Rucksäcken – und es geht ausschließlich bergauf. Der Ausblick lohnt sich schon, zeigt uns aber auch ein heranziehendes Gewitter über den Bergen. Als es losschüttet bleiben wir seelenruhig unter ein paar sperrigen Bäumen stehen und freuen uns wie blöd über die Abkühlung.

Nach etwa 15 Minuten im strömenden Regen bei Blitz und Donner lässt die Freude dann doch nach. Der Wind auf unseren klatschnassen Körpern und Kleidern tut sein Übriges. Bis auf die Guitalele ist alles restlos durchnässt. Wir wringen unsere Sachen aus und ich bekomme ein trockenes Hemd von R.. Dann geht es weiter bergauf – oben angekommen, hat das Internetcafé natürlich geschlossen – Urlaub eben. Wir latschen zur nächsten Bushaltestelle und fahren zurück ins Stadtzentrum von Rijeka. Wie viele Kilometer wir nun geschrubbt haben, ohne nennenswerte Erfolge zu verzeichnen, schaue ich lieber gar nicht erst nach. Da an den Tragflächen der Rucksäcke alles nur so trieft, sind selbst die frisch angezogenen, trockenen Klamotten im Nu wieder nass. Es hilft irgendwie nichts. Wir gehen erstmal ins Hostel und teilen für eine Nacht mit einem australischen und einem niederländischen Pärchen das Zimmer. Kleiner Lacher am Rande: Die Niederländer haben sich zum ersten Mal Tabak gekauft und versuchen zu rauchen – finden es aber doof.

Am nächsten Tag setzen wir unseren Plan vom Insel-Trampen in die Realität um. Nach einem erneut grandiosen Rührei-Frühstück am Kanal des Busbahnhofs in Rijeka, probieren wir es wieder Richtung Süden. Nach nicht mal 10 Minuten nimmt uns ein älteres Pärchen mit Richtung Insel Krk. Die Distanzen sehen auf der Karte immer viel größer aus. Nach einer halben Stunde betreten wir schon Inselboden und werden in Malinska abgesetzt – direkt am Strand. Die Felsenküste macht das Wasser glasklar, der türkise Grund lockt mit sanften Wellen, die sich an den ausgespülten Steinkanten brechen. Wir kommen aus dem Staunen kaum raus und laufen die komplette Küste bis Njivice ab.

Unterwegs sehen wir bereits ein dickes Gewitter, dass sich in den Bergen abregnet. Kurz vor dem Strand von Njivice wird uns klar, dass das unsere nächste Naturdusche sein könnte, wenn wir nicht schnell genug was zum Unterstellen finden. Die Gewitter in Kroatien sind zwar erfrischend, aber dauern auch ihre Zeit. Wie alles scheint auch das Wetter in gediegenem Tempo seiner Existenz zu frönen. In Njivice erwartet uns der klassische Touri-Strand mit dicken Deutschen. Wir lassen uns unter einem Schirm nieder und warten den Regen ab. Die ersten Liquid-Shit-Patches entstehen und unsere Klamotten bleiben für heute trocken. Leben am Limit.

C.

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