25. Juli 2017, Rijeka

Nach unserem kleinen Umweg Richtung Bosnien landen wir endlich im richtigen Golubinjak. Wir fahren wieder durch Regen, aber allein das Licht ist ein völlig anderes, als wir es von dem grauen Schleier über Berlin gewohnt sind. Wir fahren durch das Tor zum Nationalpark und treffen direkt unter einer gigantischen Autobahnbrücke auf K. und M. – Kletterfreunde von D..

Die Kulisse wirkt skurril, der Schotter unter unseren Füßen und die gewaltigen Betonpfeiler, auf deren Asphaltrücken die Autos entlang brausen. Wir werden herzlich mit Dosenbier begrüßt, nach dem Gewitterschauer tauchen die bewaldeten Berge in ein tieforangenes Licht ein, am Horizont trohnen zwei riesige Regenbogen, die sich auf dem feuchten Boden spiegeln.

Wir haben es geschafft – so landet man erfolgreich unter der Brücke und hat dabei noch ein fettes Grinsen im Gesicht. Wir sitzen auf riesigen Holzstämmen, die K. eigenhändig herangerollt hat. Bis spät in die Nacht hocken wir um eine romantische Teelichtformation und erzählen uns Geschichten, versuchen herauszufinden, warum man Risikosport wie Klettern oder Fliegen betreibt – vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem wir reisen: Man geht an Grenzen, man fühlt sich lebendig, ist der alleinige Entscheider über sich selbst und tauscht Phantasie mit Erfahrung.

Als wir uns durch das kroatische Biersortiment erfolgreich durchgetestet haben, verziehen wir uns in D.s Auto und lachen uns mit Zitaten aus „Contact High“ die Tränen in die Augen. Irgendwann schlafen wir zu dritt auf den umgeklappten Rücksitzen in unseren Schlafsäcken bei offenem Kofferraum ein. Selten habe ich so tief geschlafen wie auf dieser Reise.

Das Erwachen unter der Autobahnbrücke macht Spaß. Wir befinden uns in einer Transitzone, zwischen Ankommen und Loslassen. Zum Frühstück gibt es Rührei und Bacon Beans – unser Survival Kit bewährt sich für die warme Küche. D., M. und K. machen sich kletterfertig. R. und ich suchen unsere sieben Sachen zusammen und bleiben noch etwas allein unter der Brücke zurück – für das ein oder andere Geschäft.

Dann treibt es uns weiter. Wir tragen etwa eine Stunde unsere schweren Rucksäcke durch den Nationalpark. Die Natur ist atemberaubend schön. Riesige Felsen ragen aus den unberührten Wäldern heraus, wir krabbeln durch eine Höhle – es soll hier Bären geben. Bald lassen wir uns von der Faulheit unserer Füße überreden und trampen weiter.

An der nächsten Landstraße stehen wir keine 15 Minuten mit unserem Schild Richtung Rijeka. Wir wollen ans Meer. Tag vier und wir haben Deutschland, Tschechien, Österreich und Slowenien hinter uns gelassen – für mich könnte das ewig so weitergehen. Und das tut es auch erst einmal. Zwei kroatische Bauarbeiter nehmen uns mit ihrem Pickup mit. Obwohl sie arbeiten sind, quillt die Lebensfreude förmlich aus ihnen heraus. Mit ein paar englischen Brocken erklären sie uns ein bisschen die Umgebung.

Es geht mitten durch die Berge, Serpentinen hoch, Serpentinen runter, am Horizont blitzt das Meer zwischen den Bergketten hervor. Die Wälder sind wie im Bambi-Trickfilm mit Moosbetten gesäumt, in den Gipfeln erheben sich immer wieder die Felsen majestätisch in den Himmel.

In Rijeka liefern uns die beiden im Zentrum ab. Der erste kroatische Cappuccino in einem kleinen Kaffee ist wunderbar. Wir machen uns auf den Weg ans Meer. Leben am Limit.

C.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.