Reisen in die Lebendigkeit

15. Juli 2017, irgendwo in Brandenburg:

Was ist das „echte“ Leben? Wo befindet es sich und wer hat festgelegt, dass es so etwas wie ein „echtes“ Leben gibt? Und gibt es dann auch ein „unechtes“ Leben? Muss man einen Perspektivwechsel erleben, um herauszufinden, was „echt“ und was „unecht“ ist? Oder legt diese Werte nicht jedes Individuum für sich selbst fest?

Wann lebt man eigentlich am Limit? Und lebt man am Limit, weil eine Grenze vom Betrachter auf das eigene Leben festgelegt wird, an deren Oberfläche man in der eigenen Wahrnehmung nur kratzt?

Gesellschaftliche Zwänge, Ideale und Wertvorstellungen – von uns, für uns. Doch was, wenn man darin nichts Erfüllendes finden kann, außer der Befriedigung, die im Außen liegt, aber nicht im Inneren spürbar ist?

C.

Gibt es diese eine Erfüllung überhaupt, die einem bis zum Ende erhalten bleibt? Oder ist es eine sich ständig ändernde Größe, die man stetig neu ausloten muss?

Das Leben ist Wandel, ist Veränderung. Es wäre vermutlich ein Leichtes, das Leben zu genießen, wenn man eine feste Erfüllung hätte, die es nur zu entdecken gilt. Eine eventuelle Suggestion, die von der Gesellschaft auf die vermeintlichen Individuen projiziert wird?

R.

17. Juli, Friedhof im Wedding

Was kann „Erfüllung“ sein, was kann „keine Erfüllung“ sein? Letzteres erfahren Menschen, die in einer „Welt des ‚Müssens'“ leben. Arbeiten müssen, um Geld zu verdienen, um sich Träume zu erfüllen, um glücklich zu sein – Erfüllung unter dem Deckmantel des Müssens, einer Diktatur einer Gesellschaftsstruktur, die wir als „angenehm“und „zuvorkommend“ empfinden … müssen? Erfüllung kann erfahrbar werden, wenn man „müssen“ durch „können“ ersetzen würde. „Arbeiten zu können“ unterscheidet sich sehr zu „arbeiten müssen“. Indem ein Zwang durch eine Option ersetzt wird, gibt es echte Chancen, das Leben zuzulassen, wird die erwartete Traumerfüllung nicht mehr zum zentralen Aufhänger für Glück. Sich frei machen ohne sich frei machen zu müssen, eine Kunst von Vertrauen und Zulassen ohne Bestrebung zur Erfüllung des Erwarteten.

C.

21. Juli, irgendwo in Berlin

Man erfährt eine Genügsamkeit im Materiellen und eine Gier nach Erfahrungen, die einem vorher nur als Phantasien im Kopfe lagen, man erfährt die Welt.
Sichtweisen über bevorurteilte Bevölkerungsgruppen, über Fremde, über Kulturen und über sich selbst ändern sich grundlegend.
Man verlässt seine „Blase“, seine Komfortzone und verzichtet auf Sicherheiten, um sie gegen Freiheit einzutauschen. Freiheit, die Währung unserer Gesellschaft, das höchste Gut, dass man besitzt. Sobald man sie erfährt, erfährt man sich selbst, erwacht aus dem Koma der Arbeit, der Bürokratie, des Alltags und darf anfangen zu leben.

R.

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