31. Juli 2017, Insel Lošinj, Mali Lošinj

Die dritte und letzte Nacht in Valun wird nach R.’s Horror-Geschichten nun für mich zum Nervenkitzel. Als wir uns in unser Lager zurückziehen, pennt R. sofort in seiner Hängematte ein. Für mich geht die abenteuerliche Reise ins Reich der undefinierbaren Geräusche los. Es ist Samstag Nacht und am Strand von Valun finden sich die Party-People ein. Neben gröhlenden Bayern, Wodka trinkenden Russen und singenden Italienern scheinen auch die Tiere des Waldes ihre ganz persönliche Samstag-Nacht zu zelebrieren. Das Zirpen der Zikaden frisst sich in die Nacht, überall knacken Äste und eine Maus – und hoffentlich nichts Größeres – macht sich an unserem Fressbeutel zu schaffen. Manchmal höre ich es sogar leise schmatzen. Dazu kommt das Taschenlampenfunkeln vom Strand. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was mich mehr ängstigt: Die Vorstellung von irgendwelchen Betrunkenen hier im Wald entdeckt oder von einem der wilden Tiere zerfetzt zu werden. Auf jeden Fall hält mich beides bis zum Morgengrauen wach und ich rolle unruhig in meiner Hängematte hin und her während R. friedlich vor sich hin blubbert. Als es hell ist, schlafe ich zumindest noch ein paar Stunden.

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28. Juli 2017, Insel Cres, Valun

Am Morgen weckt uns sanfte Reggea-Musik aus Brunos Hütte. Es ist noch nicht mal acht, die Bucht noch leer und die Sonne blinzelt durch die Kiefern. Wie schon die letzten Nächte habe ich geschlafen wie ein Stein. Wir frühstücken in der Bucht und erstehen von Bruno Badeschuhe für 25 kn. Zitat Bruno: „Pay what you want.“ – und das mache ich dann auch, indem ich unsere Getränke vom Vorabend bezahle. Was ich nicht weiß: R. hat schon in der Nacht alles bezahlt. Aber was soll’s, es ist sowieso alles recht günstig und Bruno einfach ein netter Typ. Überhaupt scheint er seine Bestimmung hier gefunden zu haben. Wir packen unseren Kram zusammen und verlassen nach einem abschließenden Sprung ins Meer den Strand. Es geht weiter Richtung Süden, die nächste Insel wartet.

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27. Juli 2017, Insel Krk

Von Njivice geht es an der Landstraße weiter Richtung Süden. Ein junger Kroate hält an und fährt uns mit seinem Rennschlitten zum Ortseingangsschild der Stadt Krk. Als er uns abgesetzt hat, dreht er um, sein Ziel war offensichtlich ein anderes. Überhaupt trampt es sich in Kroatien deutlich leichter als in Dunkeldeutschland. Wir laufen nach Krk rein und landen genau da, wo wir eigentlich nicht landen wollten: Auf einer Touri-Meile direkt am Mittelmeer. Lauter grimmig schauende Deutsche – wir könnten auch auf Malle sein. R. versucht uns einen Schiff auf die nächste Insel zu organisieren. Cres oder Raab steht auf dem Schild. Ein Fischkutter wäre erste Sahne – aber wir sind hier im Touri-Gebiet. Niemand nimmt uns mit und so machen wir uns auf den Weg an der Küste entlang in ruhigere Gefilde. Durch Zufall geraten wir illegal auf einen Luxus-Campingplatz, wo die Nacht 300 € kostet – wie man uns später erzählt. Ein steiniger Weg über scharfkantige Felsblöcke liegt hinter uns und ich bin froh, dass R. endlich wieder seine Turnschuhe an hat und jetzt auf die Flipflops verzichtet. Nach dem Seeigel-Massaker wäre jetzt ein gebrochener Knöchel nicht so geil. Als sich der Campingplatz langsam lichtet und wir zu einem öffentlichen Strand kommen, zeigt sich Kroatien noch einmal von seiner ganz entspannten Seite.

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26. Juli 2017, Njivice

In Rijeka schlendern wir am Hafen entlang. Man merkt, dass die Stadt auf Tourismus ausgelegt ist und wir flüchten immer wieder vor deutsch sprechenden Urlaubern. Schließlich versuchen wir es direkt per pedes Richtung Süden – Rijeka soll nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Aber nicht ohne einen ersten Sprung ins Meer – immerhin sind wir schon heute bis hierher gekommen. Etwas ziellos schlendern wir durch die Gegend, Blickrichtung Meer. Irgendwann finden wir einen Beton-Zugang zum Wasser. Der Weg führt durch ein großes eisernes Tor, eine alte Treppe hinunter und schließlich an einer Ruine vorbei, die natürlich nur auf unsere Besichtigung gewartet hat. Hier haben sicher schon viele Gestrandete Obdach gefunden.

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25. Juli 2017, Rijeka

Nach unserem kleinen Umweg Richtung Bosnien landen wir endlich im richtigen Golubinjak. Wir fahren wieder durch Regen, aber allein das Licht ist ein völlig anderes, als wir es von dem grauen Schleier über Berlin gewohnt sind. Wir fahren durch das Tor zum Nationalpark und treffen direkt unter einer gigantischen Autobahnbrücke auf K. und M. – Kletterfreunde von D..

Die Kulisse wirkt skurril, der Schotter unter unseren Füßen und die gewaltigen Betonpfeiler, auf deren Asphaltrücken die Autos entlang brausen. Wir werden herzlich mit Dosenbier begrüßt, nach dem Gewitterschauer tauchen die bewaldeten Berge in ein tieforangenes Licht ein, am Horizont trohnen zwei riesige Regenbogen, die sich auf dem feuchten Boden spiegeln.

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24. Juli 2017, irgendwo zwischen Zagreb und Lipik

So liebevoll wie uns Wien aufgenommen hat, startet das Wochenende ins nächste Zeitkontinuum. Ausgeschlafen machen wir uns auf Entdeckungsreise in die Wiener Innenstadt auf. Angefangen am Schwedenplatz schlängeln wir uns durch die City, kühlen uns im Stephansdom ab und verbringen ein paar Stunden im Park. Die Toiletten sind sauber und öffentlich und umsonst, das erste Ottakringer aus der Dose leitet den Samstagnachmittag ein. Ein gestrandeter Millionär sucht Anerkennung in einer Unterhaltung übers Leben, die Tauben fetzen im Tiefflug über unsere Köpfe. Alles fühlt sich fluffig und irgendwie weich an. Die Menschen fragen, ob man etwas Bestimmtes sucht, wenn man nur kurz verwirrt in die Gegend schaut. Schön.

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22. Juli 2017, Wien

Erster Zwischenstopp: Wien. Nach 24 Stunden befinden wir uns nun in einer Art Zeitkontinuum, haben über die Hälfte des Weges nach Kroatien bereits hinter uns und es fühlt sich jetzt schon an, als wären Eindrücke einer ganzen Woche auf uns niedergeprasselt.

Angefangen gestern am späten Nachmittag an den Avus in Berlin, mein erstes Mal Trampen, die Fahrt ins Ungewisse, sich von den Zufällen und dem Vertrauen ins Leben und in die Menschen an die Hand nehmen lassen.

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Reisen in die Lebendigkeit

15. Juli 2017, irgendwo in Brandenburg:

Was ist das „echte“ Leben? Wo befindet es sich und wer hat festgelegt, dass es so etwas wie ein „echtes“ Leben gibt? Und gibt es dann auch ein „unechtes“ Leben? Muss man einen Perspektivwechsel erleben, um herauszufinden, was „echt“ und was „unecht“ ist? Oder legt diese Werte nicht jedes Individuum für sich selbst fest?

Wann lebt man eigentlich am Limit? Und lebt man am Limit, weil eine Grenze vom Betrachter auf das eigene Leben festgelegt wird, an deren Oberfläche man in der eigenen Wahrnehmung nur kratzt?

Gesellschaftliche Zwänge, Ideale und Wertvorstellungen – von uns, für uns. Doch was, wenn man darin nichts Erfüllendes finden kann, außer der Befriedigung, die im Außen liegt, aber nicht im Inneren spürbar ist?

C.

Gibt es diese eine Erfüllung überhaupt, die einem bis zum Ende erhalten bleibt? Oder ist es eine sich ständig ändernde Größe, die man stetig neu ausloten muss?

Das Leben ist Wandel, ist Veränderung. Es wäre vermutlich ein Leichtes, das Leben zu genießen, wenn man eine feste Erfüllung hätte, die es nur zu entdecken gilt. Eine eventuelle Suggestion, die von der Gesellschaft auf die vermeintlichen Individuen projiziert wird?

R.

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