Abstand

Salpeter
Tropft in Kristallen von den Wänden
Ein Kondensat der Traurigkeit
Kalt, durchnächtigt, Atemalkohol
Den du beim Zuhören inhalieren kannst.
Staub wird aus den Augen geweint
Nachts, die Köter jaulen in den Gassen
Und Sirenen schieben sich vorbei
Blau und rot, taub wie schlechtes Heroin.
Vielleicht schneiden sie dir die Venen auf
Mit zerbrochenem Glas
Und kalten Blicken
Vergessen, wie Glücklichsein funktioniert.
Nachts, die wunden Seelen essen Kot
Brechreiz, ein Gefühl von Lebendigkeit
Leergetrunkene Träume
Die keiner mehr träumt
Aufgebrauchtes Herzguthaben
Und weggelassene Empathie
Vor die Füße geschmissen.
Ein Ort, fünf Gesetze
Liegenlassen
Wegwerfen
Dagegentreten
Durchhalten
Ableben
Keine Regeln
Und rauh stülpt sich die Scham
Gestaltlos über kostümierte Eitelkeiten.

11/2016

Haut

Das Blau faltet sich zwischen den Schleier
Zerfetzte Nebelstreifen säumen den Stadtrand
Über den Hochspannungsleitungen
Blitze und blaue Funken aus Elektrizität
Im Auftauchen schon verschwunden
Wahrgenommen nur als partielles Empfinden
Kleine Tau schluckende Tröpfchen
Perlen an Wollfasern
Rinnen den Schal abwärts
Bleiben in der Grube des Morgens
Mit dem Aufstehen
Schon wieder weggewischt
Wie Nachtschweiß
Klebrig und unruhig
Deine nasse Haut.

06/2016