Flussaufwärts

Wenn sich das Innerste beruhigt
den Kopf in den Schoß legt
seufzend und anschmiegsam
weil es keine ängstlichen Gesten gibt
weil da keine erwartbaren Wünsche
die Stille zerreißen
kann jedes Selbst für sich
in der eigenen Welt treiben
wie zwei Treibhölzer
die auf dem Flusslauf einander umkreisen
und immer ist eines dem anderen
einen Strömungsschritt voraus
so dass sie sich nicht berühren
aber dennoch nah beieinander hertreiben
ausreichend
um zu teilen
was sich teilen lässt
ausreichend
ist da vielleicht sogar das falsche Wort
denn es gehört mehr dazu
als Aushalten-Können
verpasst eines die Kurve
muss das andere eine Abkürzung nehmen
ein Stück Weg
das keine gemeinsame Beschreitung zulässt
ein Stück Weg
das später nicht im gemeinsamen Erinnerungskasten landet
dieses Zulassen schlägt Wellen
und schleift gleichzeitig die Kanten glatt
damit es flussaufwärts
ein einfacheres Vorankommen gibt

08/2015

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